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Warum suche ich mir immer die gleichen Partner aus?

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Viele Menschen stellen irgendwann nach vielen gescheiterten Beziehungsversuchen eine schmerzhafte Frage: Warum lande ich immer wieder in Beziehungen, die sich ähnlich anfühlen – auch wenn die Menschen völlig unterschiedlich sind?

Vielleicht tauchen ähnliche Konflikte auf. Vielleicht entsteht wieder dieselbe Dynamik aus Nähe und Rückzug. Oder man fühlt sich erneut zu jemandem hingezogen, der emotional schwer erreichbar ist. Und eigentlich weiß man schon zu Beginn, wie die Sache sich entwickelt und dort wagt man einen neuen Versuch, in der Hoffnung, dass es diesmal anders ausgeht.

Diese Wiederholungen haben meist weniger mit Zufall zu tun, als mit unserem Bindungssystem und unserem Nervensystem.


· Das Nervensystem sucht Vertrautes · 

Unser Nervensystem orientiert sich stark an dem, was es aus der frühen Eltern-Kind-Dynamik kennt.

Selbst wenn diese Erfahrungen schwierig waren, werden sie als vertraut abgespeichert. Und der Unsicherheit fühlt man sich dann paradoxerweise sicher.

In Beziehungen bedeutet das: Wir fühlen uns oft unbewusst zu Menschen hingezogen, deren Verhalten ähnliche emotionale Landschaften erzeugt wie in unserer Kindheit.

Das kann irritierend sein. Denn rational wünschen wir uns vielleicht genau das Gegenteil.

Doch das Nervensystem reagiert nicht primär auf rationale Wünsche. Es reagiert autonom Vertrautheit. Egal, ob wohltuend oder instabil - in dem Fall gilt die Regel "Hauptsache vertraut." Und das ist die Antwort auf die Frage: "Warum suche ich mir immer die gleichen Partner aus?"


· Wenn alte Bindungsmuster aktiv werden · 

Menschen mit Bindungstrauma tragen oft eine tiefe Sehnsucht nach Verbindung – gleichzeitig aber auch eine alte Wunde, die Nähe unsicher erscheinen lässt. Diese Mischung kann dazu führen, dass Beziehungen entstehen, in denen sich genau diese Dynamik wiederholt. Und wiederholt. Und nochmal wiederholt.

Manche fühlen sich stark zu Partnerpersonen hingezogen, die emotional eher distanziert sind. Andere geraten in Beziehungen, in denen sie selbst viel Distanz brauchen.

Es entsteht also eine Beziehungsdynamik, die alte Erfahrungen reproduziert.


· Die Hoffnung hinter der Wiederholung · 

So schmerzhaft diese Muster sein können, steckt darin auch eine Art innerer Versuch des Nervensystems.

Es sucht – meist unbewusst – nach einer neuen Erfahrung in einem vertrauten Feld.

Man könnte sagen: Eine alte Wunde bewegt sich immer wieder in ähnliche Situationen, weil sie dort eine neue Erfahrung von Sicherheit sucht. Und auch die Hoffnung da ist, dass unsere Bindungsperson endlich anders wird, endlich unseren Wert erkennt, endlich unsere Wünsche hört, endlich aufhört Alkohol oder Drogen zu konsumieren oder endlich zu Therapie geht. Oder, oder, oder....


· Neue Beziehungserfahrungen ermöglichen · 

Wenn Menschen beginnen, ihre Bindungsmuster zu verstehen, entsteht oft ein neuer Blick auf diese Dynamiken.

Statt sich selbst zu verurteilen, wächst Mitgefühl für das eigene Nervensystem. Die Strenge mit sich selbst nimmt ab.

In körperorientierter Begleitung wird häufig daran gearbeitet, die innere Regulation zu stärken und neue Erfahrungen von Sicherheit zu ermöglichen.

Mit der Zeit kann sich die Anziehung zu bestimmten Dynamiken verändern. Beziehungen werden weniger von alten Mustern gesteuert – und mehr von dem, was sich wirklich stimmig anfühlt.

Manchmal ist das der Moment, in dem eine alte Wunde beginnt, sich langsam zu schließen.

 
 
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